Aktuelles | 08.2026
Am 29. Juli hat das Bundeskabinett die EEG-Novelle und das Netzanschlusspaket beschlossen
Im letzten Update habe ich noch geschrieben: „Die EEG-Novelle lässt auf sich warten.“ Das Warten ist vorbei. Am 29. Juli hat das Bundeskabinett die EEG-Novelle und das Netzanschlusspaket beschlossen – und damit das Ende einer Ära eingeläutet, die 2000 mit dem EEG begann.
Was drinsteht, ist im Kern das, was sich seit Monaten abgezeichnet hat: Die feste Einspeisevergütung über 20 Jahre läuft für Neuanlagen aus. Wer ab 2027 baut, bekommt für rund drei Jahre noch eine feste Übergangszahlung – etwa 1 Cent pro kWh unter den heutigen Sätzen, danach heißt es Direktvermarktung oder maximaler Eigenverbrauch.
Die Schwelle, um überhaupt noch eine Übergangszahlung zu bekommen, sinkt Jahr für Jahr: 2027 sind noch Anlagen bis 50 kWp dabei, danach wird der Kreis enger. Bestandsanlagen behalten ihre zugesicherte Vergütung, und wer noch in diesem Jahr in Betrieb nimmt, sichert sich die aktuelle Förderlogik für 20 Jahre.
Wichtig bleibt: Beschlossen hat bisher das Kabinett, nicht der Bundestag. Nach der Sommerpause folgen Parlament, Bundesrat und die beihilferechtliche Genehmigung aus Brüssel – bis Ende 2026 soll alles durch sein, weil dann die EU-Genehmigung für das alte Fördersystem ausläuft. Es kann also noch zu Änderungen kommen!
Der nun vorgelegte Gesetzentwurf wurde und wird viel diskutiert. Die Folgen: schwer abschätzbar. Eine PV-Anlage im Eigenheim braucht zwar grundsätzlich keine garantierte Vergütung über 20 Jahre mehr um sinnvoll zu sein, dennoch hat das EEG in seiner bisherigen Form massiv dazu beigetragen, den PV-Zubau im Eigenheim auf einem stabilen Niveau zu halten.
Damit PV-Anlagen auch nach dem neuen EEG wirtschaftlich bleiben braucht es mehr elektrische Verbraucher, größere Speicher sowie eine intelligente Steuerung für Wärmepumpe, Klimaanlage und E-Ladestation. Gleichzeitg müssen die Kosten für die Direktvermarktung runter. Den Trend zu Systemen sehen wir schon lange, jetzt wird es essenziell.
Aktuell gehen wir davon aus, dass es nun in der zweiten Jahreshälfte einen deutlichen Nachfrageanstieg geben wird. Installateure werden das als erste spüren, denn viele Endverbraucher*innen werden sich die auf 20 Jahre festgeschriebene Einspeisevergütung sichern wollen, einfach weil es sie danach nicht mehr gibt!
Dadurch dürfte auch schon jetzt klar sein, dass es im neuen Jahr zu einer Delle im Eigenheimsegment kommen wird, da sich der Markt erst wieder an den neuen Standard gewöhnen muss. Es ist also Vorsicht geboten.
Müssen wir ein Szenario wie 2013 befürchten, als der Markt nach dem Absenken der Einspeisevergütung um 75% eingebrochen ist? So dramatisch wird es wohl nicht werden, aber es ist klar, dass sich die Branche wieder einmal neu erfinden muss. Das EEG ist tot, lang lebe die Direktvermarktung und der Eigenverbrauch! Jetzt dreht sich alles um die Kombination aus PV, Speicher, Wärmepumpe, Klimatechnik und Ladestation.
Wer sich noch nicht damit beschäftigt, sollte jetzt damit anfangen, ansonsten wird es nächstes Jahr richtig schwer. Installateure und Hersteller, die heute schon voll auf gesamtheitliche Lösungen setzen, werden nächstes Jahr die Nase vorne haben.
Parallel dazu entsteht derzeit ein riesiger Markt für Gewerbespeicher und in den nächsten Jahren laufen etwa eine Million PV-Anlagen aus der alten, 20-jährigen Vergütung. Der Großteil dieser Anlagen wird weiterbetrieben oder erneuert und geht damit direkt in die Direktvermarktung oder den Eigenverbrauch.
Die entsprechende Umrüstung, Modernisierung und Ergänzung um Stromspeicher bietet erhebliche Chancen für Industrie und Installateure. An den Zubauzahlen lässt sich das zum Teil schon ablesen.







